Risikomanagement im Projekt – Gastbeitrag von Steffen Liebener

Risikomanagement

risikomanagement - steffen liebenerSteffen Liebener ist selbstständiger Coach, Projektmanager, Trainer und Change Manager. Er berät und begleitet Teams, Individuen und Unternehmen in projekten und Prozessen, in denen täglich Veränderungen anstehen. Als Projektleiter arbeitet Steffen Liebener seit mehr als 15 Jahren in komplexen, globalen IT-Projekten für die Automobilindustrie und Telekommunikationsbranche. Seit 2008 ist er zertifizierter Projektmanager nach PMI (PMP), coacht und trainiert Menschen in der Methodik und unterstützt in der Prüfungsvorbereitung zum PMP. Steffen Liebener legt großen Wert auf die Wirkungsweise und Nachhaltigkeit seiner Arbeit und neben der Projektmanagement-Methodik sind die systemische Haltung und Methoden Leitlinien.

Es gibt eine Aussage im Projektmanagement, die ich immer wieder lese so ähnlich höre oder lese „…if you manage the project risks, you will manage your project.“ Das klingt auf den ersten Blick kurios, weil es meist um die Zeit, das Budget und den Projektscope – also das magische Dreieck – geht. Auf den zweiten Blick macht die Aussage sehr viel Sinn, obwohl das magische Dreieck und die Stakeholder nicht vergessen werden sollten. Der Umgang mit Risiken ist von zentraler Bedeutung im Projekt. Warum ist das so?

Dazu hilft es zu betrachten, was ein Risiko eigentlich ist. Ein Risiko ist ein unsicheres Ereignis, das wenn es eintritt meist mit negativen Auswirkungen verbunden ist. Andere Definitionen sehen bei risikobehafteten Handlungen auch die Möglichkeit einer positiven Auswirkung, die als Chance bezeichnet wird. Die Bewertung von Chancen habe ich in meiner Praxis jedoch bisher sehr selten erlebt. Das Risiko wird allgemein als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und Schadensschwere als Konsequenz aus dem Ereignis angesehen. Das heißt, es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass das Risiko eintritt und die ist kleiner als 100%. Denn, wenn es keine Wahrscheinlichkeit gibt und wir genau wissen, dass es eintritt, ist es kein Risiko, sondern als feste Größe im Projekt zu berücksichtigen und zu planen.

Aber warum sind diese Risiken für das Projekt so wichtig?

Es geht darum, dass allen Projekten eine hohe Unsicherheit gemeinsam ist. Gerade am Beginn ist die Unsicherheit am höchsten. Und da greift auch das Risikomanagement – gleich in den ersten Projektwochen. Die Maxime lautet: „Beschäftige Dich mit dem, was alles Dein Projekt an unsicheren Ereignissen negativ oder positiv beeinflussen kann.“ Wenn das Projektteam besser vorbereitet ist auf die Eventualitäten im Projekt und wie es damit umgehen kann, dann gibt das ein Stück weit mehr Sicherheit und es gibt weniger Überraschungseffekte und Situationen „oh, daran haben wir gar nicht gedacht.“

Und wie geht das nun mit den Risiken konkret im Tun?

Fragen Sie nach möglichen Katastrophen. Das sind die Situationen, die katastrophale Folgen nach sich ziehen können. Die Grundursachen dieser katastrophalen Folgen sind die Risiken für das Projekt. Diese Risiken können in verschiedenen Kategorien auftreten: Technik, Budget, Scope, Kommunikation, Qualität etc. Und ganz wichtig: alle Stakeholder können Wissensträger für Risiken des Projekts sein und es lohnt sich, diese zu erfragen oder ggfs. durch geeignete Fragen indirekt herauszuhören. In der Projektmanagement-Methodik ist der Risikomanagement-Prozess beschrieben: Identifizieren der Risiken, Bewerten der Risiken mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungseffekten. Dieser Schritt ist immens wichtig, da so aus dem diffusen Gefühlen und Meinungen greifbare Maßstäbe für den Eintritt und die Wirkung entstehen und die Unterschiede zwischen den Risiken transparent werden. Mit dieser Information können dann präventive und korrektive Maßnahmen (wenn das Risiko eingetreten ist) geplant werden. Diese Maßnahmen benötigen Zeit, Geld und Ressourcen und sind Teil des Projektplans. Und da das Projekt per se Veränderung ist, ist die Überwachung, Neujustierung und Aktualisierung der Risiken eine wiederkehrende Aufgabe für den Projektmanager und sein Team im Laufe des Projekts.

Projektnachwuchs.de: Weitere Informationen zu Risikoanalyse Projektmanagement und Risikobewertung findet ihr in unserem Projekt Wiki. Steffen Liebener wird im April in einem zweiten Artikel noch detailierter auf das Thema Risikomanagement eingehen. Also seid gespannt und freut euch auf den nächsten Gastbeitrag auf eurem Projektmanagement Blog, Projektnachwuchs.de.


An diesem Buch hat Steffen Liebener mitgewirkt:
Projektmanagement: Erfahrungen, Methoden und Trends

Großprojekte wie z.B. Stuttgart21 oder der Neubau des Flughafens Berlin-Brandenburg sind mit negativen Schlagzeilen quasi Dauergast in den Medien, obwohl seit Jahrzenten das Thema Projektmanagement intensiv in der PM-Community diskutiert und in entsprechende Standards gegossen worden ist. Den Umfang der Veröffentlichungen bestätigt auch eine Suche bei Amazon.de nach „Projektmanagement“ mit mehr als 17.000 Treffern. Warum also nun ein weiteres Buch über Projektmanagement? Kurz gesagt fängt das Projektmanagement als vergleichsweise junge Wissenschaft erst an, nach interdisziplinären Lösungen zu suchen, die in der dynamischen und komplexen Praxiswelt Bestand haben. Dieses Buch möchte Ihnen Erfahrungen, Methoden und Trends im Projektmanagement vermitteln. Die Artikel sind mit Blick auf das Spannungsfeld zwischen etablierten Projektmanagement-Standards und der immer noch zu niedrigen Erfolgsquote von Projekten ausgewählt.


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  1. S. Andreas

    Vielleicht macht hier der Hinweis darauf Sinn, dass man Projekte versichern kann und sollte. Das ist nicht nur in der Bau-/Immobilienbranche, sondern auch in der IT so üblich.

    Nebenbei hat es den Vorteil, dass man die Risiken nicht nur selbst betrachtet (oder ein Consultant), sondern dass sie von jemand bewertet werden, der ein Interesse an sorgfältiger Prüfung hat (der Versicherungsmakler) man bekommt eine Marktreaktion darauf, wie man aufgestellt ist (von den Versicherern bzw. deren Angeboten) und die Analyse erfolgt garantiert ohne Betriebsblindheit, weil die brancheninternen Argumente gar nicht bewertet werden.

    Googeln hilft weiter: http://www.google.de/search?q=projektversicherung+IT-Projekt


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