Hauptschüler? Nein, danke!

Hauptschule – Ausbildung – Studie

Eine Hauptschule und ihre Schüler genießen in beruflichen Kreisen keinen guten Ruf. Faul, zu dumm oder nicht fähig, so oder so ähnlich könnten die Meinungen und auch die Gründe für eine Absage auf die Bewerbung lauten. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) blieben 61,6 % der angebotenen Ausbildungsplätze der Industrie- und Handelskammern für Hauptschüler von vornherein unerreichbar.

Die Klagen über den Fachkräftemangel, in Branchen wie zum Beispiel der Hotellerie, Gastronomie oder gewerblich-technischen Berufen, werden immer lauter und der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften wächst und wächst. Dennoch haben es Hauptschüler schwer, einen für sich geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Besonders auffällig sei wohl, „dass insbesondere die Hotel- und Gastronomiebranche, die seit Jahren über unbesetzte Ausbildungsplätze klagt, noch immer vielfach Jugendliche mit Hauptschulabschluss bei der Auswahl der Auszubildenden außen vorlässt“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Für zwei von drei Ausbildungsplätze in der IHK-Lehrstellenbörse bleiben Hauptschüler kategorisch von Anfang an unberücksichtigt. Auf 44.000 offene Ausbildungsplatz-Angebote der bundesweiten Lehrstellenbörse, brauchen sich Hauptschüler eigentlich gar nicht zu bewerben, das ergab die Studie des DGB.

Natürlich stellt sich die Frage, wieso die Zahlen trotz Fachkräftemangel so gravierend sind und die Antwort ist ebenso simpel wie problematisch. Abitur, dann Bachelor, ab in den Job und vielleicht noch den Master. Das ist der Weg, der in Deutschland mittlerweile als Ideal und normaler Weg angesehen wird. Das Abitur ist nichts Besonderes mehr und ohne Bachelor schreiben die meisten Unternehmen den Bewerbern keine großen Karrierechancen zu. Die Hörsäle platzen aus allen Nähten, weil eine Flut an jungen Schülern mit immer besser werdenden Abiturnoten in die Vorlesesäle drängt. Da ist es nur verständlich, dass der Standard der gehobenen Schulbildung in breiten Kreisen der Gesellschaft und der Wirtschaft als Grundvoraussetzung für eine Ausbildungsstelle gilt. In Zeiten, in denen jeder Schüler studieren „muss“ und will, nimmt das Interesse bei Abiturienten, eine Ausbildung anzufangen drastisch ab.

Allerdings lässt sich „die sinkende Zahl der Ausbildungsverträge in Deutschland nicht allein mit dem Akademisierungstrend begründen. Zu viele Betriebe setzen immer noch auf eine Bestenauslese“, so Hannack.

Wahrscheinlich ist es die Mischung aus schlechter Bildungspolitik und die zu hohen Ansprüche an die Bewerber, die den Fachkräftemangel weiterhin so dramatisch gestaltet. Das Abitur wird immer leichter, was eine Studentenflut auslöst und die Lücke zwischen Hauptschule und der Masse an Abiturienten noch größer werden lässt.

Elke Hannack ist der Meinung, dass verstärkt die Spitzenverbände der Wirtschaft in der Pflicht seien, für die Ausbildung von Hauptschülern zu werben. „Wir brauchen in unserem Land in Zukunft mehr und nicht weniger Jugendliche in betrieblicher Ausbildung“, so Hannack.

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Die Debatte rund um das Abitur und den Fachkräftemangel scheint noch lange nicht vorbei zu sein, im Gegenteil. Die größer werdende Nachfrage nach Abiturienten in Ausbildungsberufen wird wahrscheinlich weitere Bildungsreformen und Förderprogramme nach sich ziehen, um den Unternehmen zu helfen.

Auffällig ist jedoch, dass bei all diesen Debatten mehr über den Mangel an Fachpersonal diskutiert wird, als über die Tatsachen, dass junge Hauptschüler eine verschwindend geringe Chance haben ihre berufliche Zukunft frei zu wählen. Wir sind der Meinung, dass man bei all den Diskussionen nicht die Perspektiven und Potentiale eines jeden Individuums vergessen darf. Wenn immer mehr Jugendliche auf Grund einer „nicht massenkonformen Bildung“ von ihrem Weg der Selbstverwirklichung abgehalten werden, befinden wir uns auf bestem Wege in die Verfestigung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.

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STUDIE-DGB-zu-den-Ausbildungschancen-von-Jugendlichen-mit-Hauptschulabschluss (PDF)

 

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