Ein Team werden – Mit Konzept, aber ohne Druck

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Aaron Kübler - Geschäftsführer AKUB ConsultingAaron Kübler ist Geschäftsführer von AKUB Consulting. Die Unternehmensberatung hat sich auf die Bereiche Procurement, Supply Chain Management und Personalmanagement spezialisiert.

Mit seiner langjährigen Führungs- und Beratungsfahrung ist er Fachmann für sämtliche Prozesse in Unternehmen, insbesondere im Personalmanagement.

 

Projektnachwuchs.de: Wodurch zeichnet sich Ihrer Meinung nach ein gutes Team aus?

Ein gutes Team zeichnet sich durch die gegenseitige Unterstützung und ein großes Maß an Zusammenhalt aus. Die einzelnen Teammitglieder sollen natürlich fokussiert ihre Aufgaben wahrnehmen, jedoch ist es wichtig dass das Team an einem Strang zieht. Hier ist auch die Geschäftsführung gefragt, die Vision und Strategie so auszulegen dass diese zu den Mitarbeitern passt und diese mitreißt.

Projektnachwuchs.de: Wie gehen Sie bei der Zusammenstellung eines Teams vor, damit beste Ergebnisse erzielt werden können? Wie sollte sich ein ideales Team zusammensetzen?

Hier sollte man differenzieren. Zum einen gibt es Projektteams die für jedes Projekt neu zusammen gesetzt werden und Teams, die z.B. in einer Abteilung eines Unternehmens dauerhaft zusammen arbeiten.

Man muss die Leute kennen und im besten Fall weiß man auch schon wie diese arbeiten. Natürlich müssen sich die Mitarbeiter auch im Projekt/der Abteilung wohl fühlen sonst wird das Bilden eines Teams schwierig und führt zu Unstimmigkeiten.

Es wird in einem Team immer einen Leader geben und das ist auch gut so.

Das ideale Team sollte meiner Meinung nach aus einer guten Mischung aus Mitarbeitern, die sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen mitbringen bestehen. Wichtig ist auch, dass es eine gewisse Rollenaufteilung gibt, ansonsten weiß der eine nicht, was der andere tut. Neben den erforderlichen fachlichen sind vor allem soziale Kompetenzen von einem Teammitglied gefragt.

Projektnachwuchs.de: Wie erkennen Sie im Bewerbungsprozess ob jemand teamfähig ist und in das Team passt?

In unterschiedlichen Teams sind auch unterschiedliche soziale Fähigkeiten gefragt, jedoch erkennt man die sozialen Kompetenzen am besten durch persönliche Gespräche und entsprechende Eignungsdiagnostik.

Viele der Personaler reden im Vorstellungsgespräch bzw. Bewerbungsprozess viel zu viel.

Die Bewerber müssen einen deutlich höheren Redeanteil haben! So kann man schon viel auch zwischen den Zeilen lesen und über die soziale Kompetenz herausfinden.

Es gibt den Spruch von Abraham Lincoln der lautet:

Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.

Dieser Spruch trifft gut zu und bedeutet im Umkehrschluss das man im Rahmen von Gruppearbeiten den Bewerbern Macht geben soll, um zu sehen, ob und wie deren soziale Kompetenzen ausgeprägt sind.

Projektnachwuchs.de: Wie bekommt man ein gutes Team? Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um ein gutes Team zu bilden?

Man muss das Team auf das gemeinsame Ziel hin ausrichten. Gemeinsamkeiten im Team fördern den Zusammenhalt. Entsprechende gemeinsame Aktivitäten fördern das Teambuilding stark. Es muss jedoch vom Unternehmen ein klares Teamentwicklungskonzept geben. Nur wenn man in diesem Fall strukturiert vorgeht, erreicht man die gewünschten Resultate. Wichtig ist auch, dass man einem Team Zeit geben soll und keinen übermäßigen Druck ausüben soll.

Projektnachwuchs.de: Teambuilding sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Sollte Ihrer Meinung nach lieber auf einen externen Experten zurückgegriffen werden oder sollte jeder Projektleiter dazu in der Lage sein?

Das kommt stark auf die Unternehmenskultur, den Charakter der Teammitglieder sowie die Führungserfahrungen des Projektleiters an.

Grundsätzlich kann es je nach Konstellation und Ressourcen durchaus Sinn machen, einen externen Experten mit ins Boot zu holen um den Prozess zu fördern. Dieser kann und soll jedoch nur als Moderator und Impulsgeber auftreten, ansonsten besteht die Gefahr das sich die Teammitglieder mehr am externen Experten orientieren als an ihrem Leader.

Projektnachwuchs.de: Nach dem Phasemodell von Tuckman durchläuft ein Team erst mehrere Phasen bis es optimal performt. Durchläuft ein Team in seiner Bildung wirklich all diese Phasen?

Dies ist situativ unterschiedlich. Beispielsweise kann das „Storming“ entfallen. Dies kommt jedoch stark auf die Charaktere der Mitglieder und des Leaders an und auch auf die Zielvorgaben. Norming und Performing gehen in den meisten Projekten Hand in Hand und verschwimmen. Dies kann man so nicht klar abgrenzen.

Das Adjourning, also die Auflösungsphase, kommt in den seltensten Fällen so konkret vor, wie Tuckman es beschreibt. Selbst bei zeitlich befristeten Projektteams ist es meist so, dass diese miteinader in Kontakt bleiben und möglicherweise wieder einmal zusammen arbeiten.

Projektnachwuchs.de: Wie wichtig ist die Akzeptanz des Projektleiters (Teamleaders) für das Teambuilding? Und was kann ein Projektleiter unternehmen, um akzeptiert zu werden?

Sehr wichtig. Wenn das Team nicht zu 95 % hinter dem Leader steht, ist das Team und der Leader mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit der eigentlichen Aufgabe.

Der Leader muss das was er von seinen Mitarbeitern verlangt auch selbst vorleben.

Zudem muss er situativ führen. Also wenn nötig von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich, jedoch darf er niemanden bevorzugen oder aktiv benachteiligen. Diese situative Führung verschafft ihm auch einen Teil der notwendigen Akzeptanz. Ein Leader muss einen gewissen Abstand zu seinem Team wahren, jedoch darf dieser auf keinen Fall zu groß werden. Ansonsten wirkt dieser zu „kühl“ und die Mitarbeiter können sich nicht an ihm orientieren.

Projektnachwuchs.de: Sind feste Verhaltensrichtlinien bzw. Projektspielreglen, an dich sich die Mitglieder halten müssen, für den Teambildungsprozess von Vorteil?

Es muss einen groben Rahmen geben. Auf gar keinen Fall sollte man die Verhaltensrichtlinien bzw. Projektspielregeln zu eng fassen. Ansonsten fühlen sich die Mitarbeiter gedrängt sich ständig verstellen zu müssen, was kurzfristig zu Unzufriedenheit führt und den Projekterfolg maßgeblich gefährden kann.

Letztendlich zählt das Ziel, der Weg dort hin, sollte nur abgesteckt sein, nicht komplett vorgegeben.

Wir freuen uns auf eure Ideen und Anregungen zum Thema Teambuilding und Teamwork. Für alle, die weiter in die Projektmanagement Materie eintauchen und mehr über den Balkenplan, den Projektauftrag, den Projektstrukturplan oder die Projektorganisation erfahren wollen, empfehlen wir unser Projekt Wiki.

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